Gadgets und Astronomie

Der technologische Fortschritt, den wir aus dem Alltag längst kennen, zieht nun auch immer mehr in die Amateurastronomie ein. Die Hersteller meinen, damit punkten zu müssen.

Wir sehen uns bemüßigt, dazu einmal Stellung zu nehmen. Es geht hier um neue Akkutypen, um Steuerung des Teleskops per Smartphone App, etc.

Akkus:

Auch wenn Lithium Akkus (meist als LiFePo) nun, zum Teil auch fix verbaut, angeboten werden, der alte Blei Akku (in der Amateurastronomie meist als Bleigel oder Bleivlies Akku) noch lange nicht "tot".

Fix eingebaute Akkus sind abzulehnen, weil ein defekter Akku, irgendwann ist es so weit, unter Umständen nicht mehr ersetzt werden kann - der technologische Fortschritt hat mittlerweile Anderes zu bieten, andere Größe, anders Format, etc. - die heutige kurzlebige Welt...

Fix eingebaute Akkus sind meist dort verbaut, wo sie nicht sein sollten - relativ hoch oben. Das tut der Stabilität des ganzen Teleskops nicht gut. Akkus gehören auf den Boden, keine zusätzliche Last auf das Stativ oder die Basis des Teleskops!

Ein externer Akku ist ohne Probleme zu ersetzen. Ob man jetzt lieber noch auf einen Blei Akku oder doch einen neuartigen LiFePo Akku steht, das sei dahingestellt. Die Kostenseite spricht für den Blei Akku.

Smartphone, Tablet, Netbook, etc.

Schöne neue Welt! Toll, dieses Teleskop lässt sich per Smartphone App über WiFi steuern, oder per Tablet, Netbook, etc. Bislang hatten wir wohl die Steuerung eines Teleskops, über die alt-ehrwürdige RS232 Schnittstelle. Für Sternwarten ist das interessant, sonst eher kaum.

Und da sollten wir wirklich einmal die Anwendungsfälle auseinander halten. Visuelle Beobachter haben ein höchstes Gut: ihre Dunkeladaption. Es dauert, je nach Umgebungshelligkeit rund 15 bis 30 Minuten zum Erlangen der Dunkeladaption. Einmal ein helles Display anschauen, die Dunkeladaption ist dahin! Vor jedem neuen Objekt also auf einen Bildschirm blicken um das Goto Teleskop auf das nächste Objekt zu dirigieren, heißt, so gut wie nichts sehen, wenn man dann ins Okular schaut.

Aber ja, die App hat doch einen Nachtmodus, mit Rotfärbung, reicht das nicht? Ein ehrliches Wort von einem alten Deepsky Beobachter: Ist ein Bildschirm mit Nachtmodus oder auch Rotfolie drüber gut ablesbar, ist er zu hell. Wenn er die Dunkeladaption nicht mehr beeinträchtigen soll, kann man kaum noch etwas lesen.

Und, wenn man direkt neben dem Teleskop steht, bitte, es gibt ja auch die Handbox der Teleskopsteuerung, selbst diese muss in der Helligkeit so weit gedimmt werden, dass man sie gerade noch ablesen kann. Also Smartphone/Tablet - mehr Schnickschnack als hilfreich.

Die Astrofotografen haben andere Ansprüche. Sie sollten in der direkten Umgebung des Teleskops auch nicht sorglos mit Licht umgehen, jedoch müssen Fotografen nicht auf ihre Dunkeladaltion achten. Die Kamera wird man wohl per Computer steuern, und hier ist kaum das Smartphone gemeint. Ob man jetzt ein Tablet, Netbook oder einen klassichen Laptop einsetzt, ist Geschmacksache. Aus unserer Sicht ist hier ein ausreichend großer Bildschirm ein Segen. Es reicht der Nachtmodus der Applikation aus. Im Gegenteil, der Astrofotograf muss noch gut ablesen können, was auf dem Bildschirm an Information geboten wird. Und letztlich wollen die gerade neu von der Kamera kommenden Aufnahmen inspiziert werden.

Ob hier nun eine Steuerung des Teleskops über WiFi sein muss? Es kann auch schlicht ein Kabel vom Teleskop zum Arbeitstisch des Fotografen laufen, Steuerung über USB/RS232. Oder, für die paar Dinge, wo man die Teleskop Steuerung braucht, man sitzt quasi eh direkt daneben, tät es die Handbox auch, es gäbe sogar Verlängerungskabel für die Handbox, um diese auf den Tisch neben dem Computer legen zu können.

Für eine Sternwarte stellt sich die Sache ganz anders dar. Hier ist durchaus der Anwendungsfall gegeben, das Teleskop in der Gartensternwarte auch vom Haus aus steuern zu können, als Fotograf. Als visueller Beobachteer kommt man nicht umhin, beim Teleskop direkt zu sein, und dort gilt wiederum: Licht aus!

Das Motto der visuellen Beobachter ist, und muss sein:

Lights down, stars up!