Teleskop Primer

Hier finden Sie grundlegende Information über die gängigsten Teleskoptypen. Sollten Sie Fragen dazu haben, scheuen Sie sich nicht mit uns in Kontakt zu treten!

Achromatischer Refraktor

Der achromatische Refraktor, wie wir ihn heute kennen, geht auf den deutschen Optiker und Physiker Joseph von Fraunhofer zurück. Vielfach wird auch vom Fraunhofer Achromat gesprochen.

Achromate weisen zwar bauarttypisch einen Farblängsfehler auf, sind auch teurer als von der Öffnung vergleichbare Newton Reflektoren, jedoch ist unter 100mm Öffnung einem Achromat der Vorzug gegen ein Newton Teleskop zu geben. Allerdings sollte man zu Brennweiten von etwa 900mm bis 1000mm greifen. Der Farbfehler hält sich dabei noch in Grenzen, das Bild ist aber heller und stabiler als im gleich großen Newton Teleskop. Auch die ständige Optik Justierung, die der Newton Reflektor verlangt, fällt weg. Der Farbfehler spielt nur bei Mond und Planeten Beobachtung eine Rolle, stört eventuell bei Doppelsternen mit hohem Helligkeitsunterschied. Im Deep Sky Bereich ist der Farbfehler unerheblich. Dafür sind die zweilinsigen Achromate sehr schnell an die Umgebungstemperatur angepasst. Was für einen Refraktor generell spricht: Die nadelpuntfeine Sternabbildung. In dieser Hinsicht ist der Refraktor Spiegelsystemen überlegen.

Kleine Achromate zeichnen sich durch geringes Gewicht aus. Daher reichen relativ leichte Montierung. Die Montierung sollte trotzdem hinreichend stabil sein, weil die Tubuslänge durch die Hebelwirkung die Stabilität der Montierung fordert.

Durch ihr geringes Gewicht eignen sich kleine Achromate auch gut als Leitrohre für die Astrofotografie.

ED Refraktor

Refraktoren mit ED Objektiven sind im Prinzip Achromate mit stark reduziertem Farbfehler. Dies wird durch den Einsatz von speziellen Gläser erreicht, früher sind vereinzelt Linsen aus Fluorit (CaF2) eingesetzt worden. Bei letzteren wurde meist das Steinheil Objektiv Design gewählt, damit die Fluorit Linse als zweites Element eingebaut werden kann. Heute übliche ED Refraktoren folgen der Fraunhofer Bauart (das Kronglas ED Element frontseitig).

ED Refraktoren sind deutlich teuerer als herkömmliche Achromate. Solange die Öffnung gering bleibt, und die Brennweite ausreichend groß ist, wird ein ED Objektiv essentiell farbrein abbilden. Die Grenze ist bei der Öffnung wieder mit etwa 100mm zu ziehen, die Brennweite darf dabei etwas kürzer sein als beim herkömmlichen Achromaten.

Ein guter ED Refraktor überzeugt durch nadelfeine Sternabbilding, bringt die Stern Eigenfarben sehr schön zur Geltung, und spielt bei der Beobachtung seine Kontrastleistung aus.

Wie für die zweilinsigen Achromate gilt: relativ geringes Tubusgewicht, rasche Temperaturangleichung, stabiles Bild, kein Justierbedarf der Optik.

Kann ein ED Objektiv ein APO sein? Nein, nicht wirklich, auch wenn es essentiell farbrein abbildet. Es kann die Fokusdifferenz von drei Farben zwar so gering sein, dass man von praktisch gleicher Brennweite sprechen kann, jedoch im Violetten reißt die Korrektur aus, auch im tiefen Rot. Dennoch sind ED Refraktoren besser für die Astrofotografie geeignet als Achromate. Die lichtelektrischen Empfänger sind im Violetten quasi "blind". Sofern die Korrektur im tiefen Rot zu weit ausreißt, sind jedoch aufgeblasene Sternabbildungen mit rotem Rand zu erwarten. Daher sollte man bei der Öffnung auch für die Fotografie nicht zu hoch greifen oder IR Cut Filter einsetzen.

APO Refraktor

Der Begriff der Apochromasie geht auf den deutschen Optiker und Physiker Ernst Abbe zurück. Von Abbe stammt die erste Definition des aposchromatishen Refraktors.

Wer höchste Ansprüche an einen Refraktor stellt, sollte zu einem Apochromat greifen. Eines muss klar gesagt sein: Ein APO ist die teuerste Möglichkeit, zu einem Teleskop mit immer noch bescheidener Öffnung zu kommen. Bis 4" Öffnung sind sie schon sehr teuer, bei 5" werden sie empfindlich teuer, bei 6" Öffnung ist der Preis schon "entrückt". Darüber, mit noch größerer Öffnung, ist ein APO nahezu unbezahlbar. Da sollte man sich eher um praktikable Alternativen umsehen.

Um die Farbreinheit zu erreichen, sind in aller Regel schon drei Linsen nötig. Bei geschickter Wahl der Gläser werden so auch die Enden des visuellen Spektrums, das violette und tiefrote Licht, unter Kontrolle gebracht. Gute APO Refraktoren bringen damit sogar vier Farben auf einen gemeinsamen Brennpunkt und dürfen als Super APO angesprochen werden. Jedoch ist nicht alles ein APO, was sich so nennt.

Wenn es um die Qualität geht, sollte man eher auf renommierte Hersteller setzen. Auch die Verkaufsbezeichnung APO schützt nicht davor, dass ein Refraktor, obwohl gehobenen Preises diverse optische Fehler aufweist. Es geht einfach darum, dass der Hersteller die Fertigung der Linsen und vor allem der Linsenfassung beherrscht. Drei Linsen unterschiedlicher Glassorten wollen korrekt zueinander gehalten werden, ohne Druck auf einzelen Linsen auszuüben, und das bei allen möglichen Temperaturen, die im Beobachtungsbetrieb auftreten. Das ist eine hohe Herausforderung. Es kommt nicht von ungefähr, dass preislich günstige APO Refraktoren, auch wenn die verwendeten Gläser noch so toll sind, häufig optische Fehler aufweisen, deren Ursache in der Objektivfassung liegen. Unter APO Refraktoren versteht man gemeinhin Farbreinheit und höchste Abbildungsgüte. Das zu erreichen kostet richig viel Geld. Wir wollen hier keine falschen Hoffnungen wecken.

Durch die dreilinsigen Objektive und vielfach massiven Okularauszüge sind APO Refraktoren deutlich schwerer als vergleichbare Zweilinser, und verlangen daher nach stabileren Montierungen. Gerade beim astrofotografischen Einsatz kommt noch das Leitrohr mit seinen Rohrschellen dazu, Autoguider, DSLR oder CCD Kamera. Da kommt einiges mehr an Gewicht zusammen.

Wie alle Refraktoren sind APOs aplanatische System, d. h. sphärische Aberration und Koma sind korrigiert. Es verbleibt zumindest die Bildfeldwölbung als Bildfehler. Visuell ist dies kein Problem, da das menschliche Auge die Fokusdifferenzen im Feld per Akkommodation bewältigen kann. Hingegen ist für die Astrofotografie, speziell wenn es sich um größere lichtelekrische Sensoren handelt, notwendig, eine Feldebnungslinse (Flattener) einzusetzen. Dies kann ein Zubehörteil sein. Es gibt auch speziell auf Astrofotografie hin optimierte Refraktoren, die im hinteren Tubusteil zwei Linsen zur Feldebnung fix eingebaut haben.

Durch die Triplet Objektive sind APO Refraktoren in thermischer Hinsicht deutlicher träger als Achromate bzw. ED Refraktoren. Das Austemperieren dauert wesentlich länger. Die Bildqualität wird in dieser Zeit aber nicht so stark beeinträchtig wie z. B. beim Newton Reflektor pder gar katadioptrischen Systemen. Ein APO zeigt viel schneller ein stabiles Bild, wie wohl es mit der Zeit des Austemperierens noch schärfer wird. Die Abbildungsgüte eines hochwertigen APO Refraktors besticht einfach - nadelpunktfeine Sterne, intensive Eigenfarben der Sterne, an Planeten farbtreue und kontrastreiche Abbildung.

Newton Reflektor

Der Newton Reflektor (nach dem englischen Naturforscher Isaac Newton) folgt einem sehr einfachen Prinzip. Einzig der Hauptspiegel, dessen verspiegelte Fläche durch ein Rotationsparaboloid gebildet wird, ist an der Bildformung beteiligt. Daher sind diverese Abbildungsfehler gegeben. Der 45° geneigte Fangspiegel ist plan, und hat nur die Aufgabe, das dem Fokus zustrebende Strahlenbündel seitlich aus dem Tubus auszulenken. Ein Newton Teleskop hat demnach auf der optischen Achse eine perfekte Abbildung. Im Feld macht sich mit zunehmendem Abstand von der optischen Achse Koma als Bildfehler bemerkbar. Weiters herrscht auch Bildfeldwölbung vor.

Für die visuelle Beobachtung gibt es kein günstigeres Teleskop. Solange ein moderates Öffnungsverhältnis gewählt wird, ist von Koma nicht allzuviel zu bemerken, wird eine durchaus befriedigende Abbildungsleistung geboten. Die Qualität der Hauptspiegeloberfläche ist für die Abbildungsgüte entscheidender als das Spiegelmaterial selbst.

In thermischer Hinsicht sind Newton Teleskope heikler als Refraktoren. Das liegt an dem "warmen" Hauptspiegel am Hinterende des Tubus. Die Wärme steigt im Tubus auf. Das Licht muss zweimal durch die warme Luft, bis es das Okular erreicht. Die warme Luft im Tubus ist vielfach Ursache für eine Bildunschärfe, die vermeintlich auf das atmosphärische Seeing geschoben wird. Je nach Tubuskonstruktion und auch Größe sowie Dicke des Hauptspiegels, braucht ein Newton Reflektor deutlich mehr Zeit zum Austemperieren als ein Achromat bzw. ED Refraktor. Durch aktive Belüftung kann diese Zeit jedoch verkürzt werden.

Newton Optiken bieten ihre beste Abbildung nur wenn die Optik perfekt justiert ist. Je nach Tubuskonstruktion und Stabilität übersteht die Justierung manchmal einige Transporte, in anderen Fällen muss vor jeder Beobachtung unbedingt die Justierung korrigiert werden. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, die Justierung vor jeder Beobachtung zu prüfen, und gegebenenfalls zu korrigieren.

Newton Reflektoren sind ab 6" Öffnung sinnvoll, besser ist es, gleich einen Achtzöller in Erwägung zu ziehen. Damit sind schon sehr viele Himmelsobjekte beobachtungstechnisch erreichbar. Mehr als 10" Öffnung wird man kaum auf eine parallaktische Montierung aufpacken wollen. Es ist dabei schon eine recht schwere und stabile Montierung erforderlich. Der Newtontubus bringt durch seine Länge und seinen Durchmesser Hebel auf die Montierung, auch Winddruck kann sich dadurch stärker bemerkbar machen.

Vor einer bestimmten Bauart müssen wir ausdrücklich warnen! Es geht hier um den sog. Katadioptrischen Newton, kurz auch Cat-Newton genannt. Es handelt sich um Tuben mit kurzer Bauart und auffallend langer Brennweite. Erreicht wird dies durch eine im Okularauszug eingebaute Barlow Linse. Der Cat-Newton ist nicht notwendigerweise ein schlechtes Teleskop, jedoch sind diese Teleskope im unteren Preissegment angeordnet und so mancher Hersteller hat das Konzept misinterpretiert. Cat-Newton sind schon deutlich schwieriger zu justieren als normale Newton Teleskope, wenn noch ein sphärischer Hauptspiegel dazu kommt, kann man justieren was man will, die Abbildungsqualität ist und bleibt miserabel.

Dobson Teleskop

Das Dobson Teleskop ist nach seinem Erfinder John Dobson († 2014) benannt.

Dobson Teleskope sind Newton Reflektoren, integriert auf einer azimutalen Montierung. Am Tubus befinden sich im Schwerpunkt sog. Höhenräder, die auf Gleitlagern in der sogenannten Rockerbox sitzen. Die Rockerbox ihrerseits sitzt wiederum auf Gleitlagern auf einem Drehgestell. Somit ist die Bewegung in der Horizontalen sowie in Höhe möglich. Das Teleskop befindet sich im Idealfall in Balance. Das Teleskop bleibt somit in jeder Lage stehen. Es kann ganz einfach der Tubus gepackt werden, ohne irgendwelche Klemmen öffnen zu müssen, um das Teleskop entweder einem Objekt nachzuführen oder um das Teleskop auf ein anderes Objekt zu schwenken.

Öffnungen bis 12" werden üblicherweise mit Volltubus ausgeführt, ab 12" herrschen Konstruktionen mit Gittertubus vor. Ein Dobson Teleskop ist die günstigste Möglichkeit zu einem Teleskop für visuelle Beobachtungen zu kommen. Die größere Dobson Teleskope sind nicht mehr billig, jedoch wären gleichartige Newton Tuben parallaktisch montiert nahezu unbezahlbar. Dobson Teleskope bis 20" sind keine Seltenheit, größere Öffnungen stellen an den Beobachter schon höhere Herausforderungen im Handling und beim Beobachten mit Leiter. Eine kleine Haushaltsleiter reicht in diesen Fällen meist nicht mehr aus.

Dass sich Dobson Teleskope butterweich bewegen lassen, liegt an der grundsätzlich richtigen Konstruktion, an den richtigen Gleitmaterialien sowie an der perfekten Abstimmung. Dies ist kein Geheimnis, dennoch in gewissem Sinne eine "Wissenschaft".

Günstige Dobsonteleskope weisen meist eine brauchbar gute Optik auf, hingegen ist die Rockerbox, die eigentlich den Dobson ausmacht, aus billigen Spanplatten gefertigt, dazu gesellen sich viel zu kleine Höhenräder und untaugliche Gleitmaterialien. Vielfach kommen noch Balanceprobelme dazu, meist eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Kopflastigkeit. Eine solche Konstruktion ist eher nur eine "Ständer". Sinnvolle Beobachtung ist damit kaum möglich. Es ruckelt und pickt beim Bewegen, die Feinfühligkeit fehlt, die Bewegung in den Achsen ist stark differierend, eine Achse geht zu weich, die andere zu hart. Mit etwas Optimierung kann man diese Probleme lindern.

Cassegrain

Das Optik Design des heute als "klassischer Cassegrain" bezeichnetes Teleskop stammt von Laurent Cassegrain, einem katholischen Priester und Lehrer. Lange Zeit war der Name des Erfinders unbekannt, man fand in der Literatur nur "M. Cassegrain". Erst im Jahr 2000 konnte die wahre Identität festgestellt werden.

Das Cassegrain Teleskop besteht aus einem parabolischen Hauptspiegel, der mittig durchbohrt ist, und einem hyperbolischen Sekundärspiegel. Der Brennpunkt liegt hinter dem Hauptspiegel. Isaac Newton mutmaßte, dieses Teleskop sei nutzlos. Er sollte sich irren.

Heute sind Cassegrain Teleskope selten im Amateurbereich anzutreffen. Den prinzipiellen, gefalteten Strahlengang nach Cassegrain verwenden viele der heutigen Teleskope: Schmidt-Cassegrain, Maksutov, RC, um nur einige zu nennen.

Varianten des Cassegrain, mit anderen Spiegelformen sind heute in Verwendung:

  • Dall-Kirkham
  • Ritchey-Chrétien

Das Dall-Kirkham System ist mit einem ellipsoiden Hauptspiegel und einem sphärischen Sekundärspiegel einfacher herzustellen, jedoch ist die Abbildung Koma behaftet, weit stärker als beim klassischen Cassegrain.

Deswegen sind heutig angebotene Dall-Kirkam modifiziert, bzw. mit Korrekturlinsen ausgestattet, z.B. als CDK bekannt. Als solche sind sie klarerweise für Astrofotografen interessant.

Über das Ritchey-Chrétien System hier mehr.

Schmidt Cassegrain

Das Schmidt-Cassegrain Teleskop ist von der sog. Schmidt Kamera (Erfinder: Bernhard Schmidt) abgeleitet, um ein visuell nutzbares Teleskop zu erlangen.

Schmidt Cassegrain Teleskope (SCT) sind aufgrund des Cassegrain Strahlengangs trotz der langen Brennweite sehr kompakt - zumindest in der heute üblichen Bauform. Der Tubus ist durch die frontseitige Schmidtplatte geschlossen. Zum einen ist die dünne Schmidtplatte sehr anfällig für Taubeschlag, zum anderen bringt der geschlossene Tubus thermische Nachteile mit sich, da die Wärme im Tubus vorwiegend nur über die Gehäusewand nach aussen abgegeben werden kann. Der Strahlengang führt das Licht zudem dreimal durch die warme Luft im Tubus. Die thermischen Probleme teilen SCT allerdings mit anderen Teleskoptypen mit geschlossenem Tubus.

Die Massenfertigung der beiden Hersteller Celestron und Meade hat diesem Teleskoptyp einen eher schlechten Ruf eingebracht. Die optische Qualität reichte gerade aus, eher selten fand man eine gute Optik darunter. Heutige SC Teleskope sind durchwegs von besserer Qualität. Die systembedingt hohe zentrale Abschattung (Obstruktion) durch den Sekundärspiegel reduziert auf jeden Fall die Kontrastübertragung.

SCT werden oft als "Allrounder" bezeichnet, böse Zungen sagen, sie können nichts wirklich gut. Visuell weisen sie aus besagten Gründen eine reduzierte Kontrastübertragung auf, zudem ist das erreichbare Gesichtsfeld deutlich eingeschränkt. Die lange Brennweite ist eher Nachteil als Vorteil. Einzig: man kommt mit Okularen moderater Brennweite aus, wodurch ein angenehmeres Einblickverhalten, speziell bei Standard Okularen gegeben ist.

Die fotografische Eignung ist bei einem Öffnungsverhältnis von f/10 ebenfalls eingeschränkt. Allenfalls kann mittels Focalreducer die Brennweite auf f/6 reduziert werden. Die Feldabbildung eines üblichen SCT ist von Koma geprägt. Hohe Ansprüche können mit dieser Abbildungsqualität nicht erfüllt werden.

Die Optik ist durch den f/2 Hauptspiegel extrem justierkritisch. Ein häufiger Grund, warum SCT eher schlechte Bildqualität liefern: sie sind dejustiert. Mit perfekter Justierung, sofern eine anderweits gut korrigierte Optik vorliegt, und das Teleskop thermisch beherrscht wird, können mit heutigen SC Optiken größerer Öffnung hervorragende Planetenaufnahmen gewonnen werden.

Die Hauptspiegelfokussierung bewirkt häufig ein merkliches Bildshifting bei Drehrichtungsumkehr des Fokussiertriebs - der Hauptspiegel verkippt ein wenig. Allerdings ist durch die Hauptspiegelfokussierung der größte Vorteil des SCT gegeben: Es kann praktisch jegliches Zubehör angeschlossen werden, und das über das SC Gewinde "bomenfest". Dadurch eignen sich SCT für diverse Spezialaufgaben.

Seit einiger Zeit werden neben den herkömmlichen SCT Varianten mit besser korrigiertem Feld angeboten. Diese Spezialvarianten sind teurer, weisen allerdings eine bessere fotografische Eignung auf.

SCT werden hauptsächlich integtriert mit einer Gabelmontierung verkauft. Azimutal betrieben reicht die Stabilität der Gabel selbst für SCT größerer Öffnung. In dieser Betriebsart müssen immer beiden Achsen nachgeführt werden, was die Steuerung zwar erledigt, allerdings ist damit keine Tauglichkeit für Langzeitaufnahmen gegeben. Lösungen mit Bildfeld Derotator sind im Amateurbereich eher unüblich, und nur für viel Geld in befriedigender Qualität zu erhalten. Die Lösung, die Gabelmontierung auf eine Polhöhenwiege zu setzen sollte nur bis maximal 10" Öffnung in Erwägung gezogen werden. Darüber ist die Stabilität unbefriedigend. Allenfalls kann ein SCT Tubus mittels Montageschiene auf einer stabilen Deutschen Montierung betrieben werden. Diese Lösung ist eher für die Langzeitfotografie in Betracht zu ziehen, da die Tracking Performance dieser Gabelmontierungen meist auch nicht den hohen Anforderungen der Astrofotografie genügt.

Ritchey-Chrétien

Das RC Teleskop wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von George Willis Ritchey und Henri Chrétien entwickelt.

RC Teleskope sind eine Variante der Cassegrain Familie. Wie das klassische Cassegrain Teleskop ist das RC ein reines Spiegelsystem. Der Tubus ist vorne offen. Im Gegensatz zum klassischen Cassegrain Teleskop, welches Koma wie ein vom Öffnungsverhältnis her gleicher Newton Reflektor aufweist, ist das RC Teleskop komafrei. Allerdings verbleibt die Bildfeldwölbung. Des weiteren schwellen die Sterndurchmesser durch den ebenfalls verbleibenden Astigmatismus an, je weiter der Stern von der optischen Achse abgebildet wird. Jedoch ist das nutzbare Feld größer als beim klassischen Cassegrain, wenn man von gleichartigen Systemen (Öffnung, Brennweite) ausgeht.

Da versucht wird, von vornherein ein möglichst hoch geöffnetes System (typischerweise f/8) mit großem voll ausgeleuchtetem Feld zu bauen, liegt die systembedingte Obstruktion nahe bei 50%. Dadurch ist das RC Teleskop eindeutig für die Fotografie prädestiniert. Visuell wird die Beobachtung durch den obstruktionsbedingten hohen Kontrastverlust stark eingeschränkt. Fotografisch werden RC Teleskope meist mit einem Korrektor betrieben, der üblicherweise die Brennweite reduziert und die Bildfeldwölbung behebt.

Durch die Verwendung von zwei hyperbolischen Spiegeln sind an die Tubusmechanik hohe Anforderungen gestellt. Die Justage der beiden Spiegel zueinander ist kritisch. Ein richtig konstruiertes, gut gebautes und korrekt justiertes RC Teleskop ist fotografisch ein guter Performer, aber teuer.

Alle optische Großteleskope für die astronomische Forschung arbeiten heute nach dem RC Prinzip.

Maksutov

Das Maksutov Teleskop wird nach seinem Erfinder, dem russ. Optiker Dmitri Maksutow,  benannt. Für diese Teleskope hat sich die Schreibweise "Maksutov" durchgesetzt.

Maksutov Teleskope bauen durch den Cassegrain Strahlengang kompakt. Durch die relativ dicke Meniskuslinse an der Frontseite des Tubus sind sie aber deutlich schwerer als vergleichbare SCT. Speziell die Maksutov aus russischer Produktion sind sehr robust aufgebaut. Nicht "fancy", aber funktionell.

Je nach optischem Design kann ein Maksutov Koma aufweisen oder nicht. Speziell das Rumak Design ist hier hervorzuheben. Es bietet eine Sternabbildung im Feld, die man sonst nur bei Refraktoren findet. Freilich ist die zentrale Obstruktion auch beim Makstov eine "Kontrastbremse", jedoch werden gute Maksutov Teleskope nur in Kleinserien gefertigt, und weisen eine gute Optikqualität auf. Dadurch wird der Kontrastverlust begrenzt. Maksutov Teleskope arbeiten ebenfalls mit Hauptspiegelfokussierung, der guten mechanische Ausführung ist es zu danken, dass hiebei kein Spiegelshifting auftritt. Die systembedingte lange Brennweite, das kleine Feld, die thermischen Probleme durch den geschlossenen Tubus, das teilen sich Maksutov mit den SCT. Die russichen Maksutov sind zumindest mit Tubusbelüftungssystemen ausgestattet, was die Austemperierzeit deutlich reduziert.

Die relativ dicke Meniskuslinse hält Taubeschlag etwas länger stand als die dünne Schmidtplatte eines SCT, jedoch ist auch beim Maksutov eine Taukappe unabdingbar.

In Summe ist ein Maksutov teuerer als ein übliches massengefertigtes SCT, jedoch aus unserer Sicht zu bevorzugen. Man verstehe uns nicht falsch: Ein konsequent auf Qualität gefertigtes, optimiertes SCT wäre ebenfalls sehr teuer, wäre einem Maksutov dann aber absolut ebenbürtig.

Maksutov Newton

Maksutov Newton (MN) sind für visuelle Beobachter eine Alternative zu den sehr teueren APO Refraktoren. Zudem sind sie in größeren Öffnungen noch finanzierbar. Durch den Newton Strahlengang bauen MN genauso lang wie klassische Newton Teleskope. Die Optik unterscheidet sich aber: vorne ist der Tubus durch eine Meniskuslinse abgeschlossen. Als Hauptspiegel wird ein sphärischer oder leicht asphärisierter Spiegel verwendet. Der geschlossene Tubus bringt thermische Trägheit mit sich, jedoch sind die MN aus russischer Produktion mit entsprechenden Tubusbelüftungssystemen ausgestattet. Dadurch werden die MN thermisch beherrschbar.

Die Abbildung ist nicht komafrei, allerdings ist die Koma viermal geringer als beim vergleichbaren Newton, und damit bei einem Öffnungsverhältnis von f/6 visuell nicht feststellar. Die Abbildungsqualität steht einem Refraktor fast nichts nach, zumal auch wie beim Newton die zentrale Abschattung durch den Fangspiegel äußerst gering gehalten werden kann. Es bedarf jedoch schon eines MN mit einer Klasse größerer Öffnung, um einem APO Refraktor Paroli bieten zu können.

Es soll nicht verschwiegen werden, dass bereits ein 8" MN schon ein gewaltiger "Brocken" ist, der nach einer stabilen und entsprechend schweren Montierung verlangt. Auch ist der Einsatz einer Taukappe unabdingbar.